Wie TikTok Social Media neugestaltet

Von den Kinderzimmern bis zur Weltpolitik?

Die Millenials lieben sie. Boomer verstehen sie nicht. Aber ihre Beliebtheit ist unbestreitbar. Was zu Beginn aufgrund von tanzenden Teenagern und schlechten Lipsync. Videos belächelt wurde, ist heute eine der erfolgreichsten Social Media Plattformen. Die Rede ist von der Plattform TikTok.

Doch was ist das für eine App, was kann sie und vor allem: Was an ist so besonders an ihr?

Die Basic Informationen:

TikTok ist eine Plattform zum Erstellen und Teilen von Kurzvideos im Format 9:16, welche eine Länge von bis zu 3 min. haben können. Zum Erstellen der Videos stehen einem alle möglichen Bearbeitungstools zur Verfügung. Durch AR-Filter, verschiedenen Effekten und unterschiedlichen Sounds können UserInnen somit selbst zum Regisseur werden. Das Ziel ist es, Videos zu erstellen, die das Interesse der NutzerInnen innerhalb der ersten Sekunden wecken, damit sie nicht weiter scrollen, sondern aufmerksam werden.

Seine Wurzeln hatte die App im Vorreiter Musical.ly, welche mit 200 Mio. NutzerInnen bei der Zielgruppe 13-18 unglaublich beliebt war. Der Hauptzweck der 2014 gegründeten App waren nutzergenerierte Lippensynchron-Tanz-Videos. Im Jahr 2016 entwickelte der chinesische App-Entwickler ByteDance eine konkurrierende App namens TikTok (zu Beginn Douyin). Innerhalb eines Jahres hatte TikTok mehr als 100 Millionen UserInnen. Ende 2017 übernahm TikTok für 800 Mio. Dollar die App Musical.ly. Später fügte Bytedance die Nutzerkonten beider Plattformen zusammen und somit wurde die einheitliche Marke TikTok geschaffen.

Mit dieser enormen Nutzerbasis begann die App sehr schnell an Beliebtheit zu gewinnen. Anfang 2018 wurde TikTok zur meistgeladenen App im Apple App Store und übertraf damit Instagram, WhatsApp und YouTube. Im September 2021 knackte TikTok die 1 Mrd. Grenze und bereits 2022 wird die 1,5 Mrd. Marke prognostiziert.  

Wie funktioniert TikTok?

Wenn TikTok geöffnet wird, landet man direkt auf dem beliebtesten Bereich der App, dem Discovery-Feed, auch genannt „For-You-Page“ oder „FYP“. Diese Seite fungiert als primäre Zeitleiste. Hier können UserInnen neue Inhalte entdecken, welche der Algorithmus empfiehlt. Um zum nächsten Video zu gelangen, scrollt man wie bei einem normalen Feed nach unten. Auf das Profil des Creators, des aktuellen Videos, gelangt man durch einen swipe nach rechts. Am unteren Rand des Videos sind Informationen über den Sound zu finden. Wenn dieser angeklickt wird, werden Videos von anderen CreatorInnen zu diesem Sound angezeigt. Mit Gefällt mir markierte Videos werden im eigenen Profil unter einer separaten Kategorie abgespeichert.

Der perfekte Algorithmus

Soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram sind auf die Verbindungen zwischen den Menschen, welche sich kennen spezialisiert. Im Gegensatz dazu setzt TikTok auf die Optimierung der Inhalte, welche die UserInnen sehen. Durch einen einzigartigen Algorithmus, welcher KI und maschinelles Lernen einsetzt, werden NutzerInnen die für sie am besten und interessantesten Inhalte angezeigt. Die Plattform verfolgt genau, mit welchem Content man wie viel Zeit verbringt. Somit hat jede/r NutzerIn unterschiedliche Erfahrungen mit der App. Während die einen auf seiner FYP nur Content über Sport und Mode hat, sehen andere vermehrt Videos über die Natur. So haben Inhalte jeder Art, egal ob Comedy, Reisen, Musik oder Tanz haben hier seinen Platz gefunden und werden dank des Algorithmus den richtigen Zielgruppen angezeigt. Je mehr Zeit NutzerInnen sich nehmen, ein bestimmtes Video anzuschauen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es viral geht und in anderen Feeds angezeigt wird oder sich zu einem neuen Trend entwickelt.

Wie TikTok unser Leben beeinflusst

Ein wichtiges Schlüsselelement für die Dominanz der Plattform ist die Möglichkeit der Entwicklung und Verbreitung von neuen Trends. TikToks basiert auf User Generated Content, was bedeutet das die UserInnen bestimmen welche Inhalte zum Trend werden und viral gehen. Wenn NutzerInnen ein Video hochladen, kann der Sound dieses Videos lippensynchronisiert oder von anderen NutzerInnen verwendet werden. Wenn zum Beispiel jemand einen Remix eines beliebten Songs erstellt, kann dieser spezielle Audioclip schließlich in Tausenden von anderen Videos verwendet werden und somit viral gehen werden. Nach dem Posten können NutzerInnen mit Likes, Kommentaren und dem Teilen öffentlicher Videos in Stories und Direktnachrichten interagieren.

 

Aber nicht nur in der Social-Media-Welt setzt die Plattform neue Trends. Auch andere Nischen werden deutlich von TikTok beeinflusst. Viele der größten und dominantesten Hits der letzten zwei Jahre haben ihren Ursprung in TikTok-Trends. Auch Songs aus vergangenen Jahrzehnten konnten so einen unerwarteten Aufschwung erzielen und erneut seinen Platz in den Charts finden.

Ein weiteres Beispiel für die brutale Reichweite von TikTok ist ein Ereignis von US-Präsidentschaftswahlen aus dem Jahr 2020. Bei einem Wahlkampfauftritt von Donald Trump blieben tausende von Sitzplätzen frei, obwohl sie reserviert waren. Laut Medienberichten war mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der Grund dafür, eine koordinierte Bewegung von UserInnen der Plattform TikTok.

Unbestritten ist jedoch, dass die Einführung von Kurzvideos in die Social-Media-Welt der erfolgreichste Trend von allen war. TikTok hat es vor gemacht und Plattformen wie Instagram, Facebook und Youtube haben nachgezogen. Mittlerweile sind sie die beliebteste Form der Content-Vermittlung geworden. Wie in unserem Blogpost über Social-Media Trends 2022 beschrieben, soll Prognosen zufolge, zukünftig 80% aller Inhalte aus Videos bestehen.

TikTok als Werbeplattform

Viele Marken nutzen Social Media, um ihre Produkte zu bewerben. Doch meist werden Ads von UserInnen als störend empfunden. Auf Plattformen wie Youtube oder Facebook wird das aktuelle Video unterbrochen, um eine Werbeanzeige zu schalten. NutzerInnen sind sich so meist vorher bewusst, wann sie Werbung sehen werden. Im Gegensatz dazu, werden auf TikTok Videos nicht unterbrochen, sondern Ads werden in den Feed miteingearbeitet. Das wichtigste Detail ist jedoch, dass sie genauso aussehen wie jedes andere Video im Feed. Genau wie bei allen anderen Videos, welche NutzerInnen sich ansehen, haben sie die Möglichkeit, das Video anzusehen, zu liken, zu teilen oder zum nächsten zu springen. In jedem Fall haben sie nicht das Gefühl, dass ihr Erlebnis gestört wurde. Somit wird die Werbung meist unbewusst wahrgenommen.

Auch InfluencerInnen werden so geschickt in Werbekampagnen mit eingebaut. Videocontent bietet nämlich das, was FollowerInnen sehen wollen: Authentizität und Nahbarkeit der CreatorInnen. Diesen Vorteil machen sich Marken, beispielsweise durch Instagram-Stories, zwar schon seit einiger Zeit zu Nutze, aber durch die Beliebtheit der Kurzvideos haben diese Kriterien, eine noch größere Bedeutung bekommen. Werbung kann so geschickt in die Contentart des Influencers eingebaut werden und ist somit nicht direkt als reines Werbevideo zu erkennen.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass TikTok die Schnelllebigkeit unserer Generation widerspiegelt und zeigt was es bedeutet, in der hypervernetzten Welt von heute aufzuwachsen. TikTok wird also auf lange Sicht nicht als One-hit-Wonder enden, da die User sich auf der Plattform verstanden fühlen und Inhalte jeder Art Platz haben.

Man kann TikTok auch mit einem Best-Of-Video von Youtube vergleichen: Die For-You-Page ermöglicht es den UserInnen, eine Vielzahl mundgerechter Inhalte pro Minute zu konsumieren und so Informationen viel effizienter zu extrahieren als aus einer Fernsehsendung. Wenn man ein paar Stunden auf TikTok verbringt merkt man, wie dies funktioniert. Andere Medien fühlen sich im Vergleich langsam an.